Anpassen durch Normen und Regeln?

Gegen den Strom schwimmen oder anpassen?

Es stellt sich die Frage, ob ständiges anpassen wirklich die Lösung ist. Hierzu die Geschichte vom Schneider:

Da bestellt ein Mann beim Schneider einen Anzug. Als er zur ersten Anprobe kommt, passt er nicht. Der Ärmel ist zu kurz, da spannt es. Das Hosenbein ist zu lang … und er sagt: „Hörn Sie, was ist denn mit dem Anzug los?“

„Na, na, der Anzug ist schon richtig, Sie tragen ihn nur falsch. Sie müssen den Bauch ein bisschen einziehen, das Becken nach vorne schieben, die rechte Schulter noch ein bisschen hängen lassen. Dann passt er auch.

Der Typ lässt sich beeindrucken von dem Schneider. „Ja genau so, jetzt passt er ja!“

Beim Heimweg beobachteten ihn drei alte Frauen. „Mein Gott, der arme Krüppel da. Aber zumindest einen guten Schneider hat er.“

Anpassen durch Normen und Regeln

Genau so ist es. Wir haben einen guten Schneider. Ob wird dabei zum Krüppel werden, interessiert niemanden. Der Schneider ist ungefähr unsere Gesellschaft, unsere Kultur, die uns etwas aufoktroyiert: „So gehört es!“ Auch wenn es schwierig ist, so einen Anzug zu tragen.

Du weißt, dass etwas nicht stimmt in deinem Leben. Aber was willst du machen? Was der Schneider, die Gesellschaft, die Kultur oder die Religion vermitteln, ist so übermächtig: Der Anzug ist richtig. Dazu gehst du mit Schuhen, die dir wehtun. Aber sie sind modern. Nur du bist verkehrt! Wenn du dich anpasst, dann passt alles.

Anpassen von Kindheit an

Die meisten Kinder werden schon in den ersten Jahren zerstört. Ihre Sensibilität wird nicht unterstützt, ihre Betroffenheit nicht bemerkt. Diese wichtigen Dinge werden übergangen. Da werden Dinge gesagt: „Das musst du tun, das ist richtig! So gehört das nicht! Hör auf zu heulen! Du musst dich der Schule anpassen! Mach das! Iss das jetzt!“ So früh gibt es schon Normen und Anzüge. Du wirst auf die Waage gelegt. Passt nicht. Nicht die Norm. Nicht der Anzug.

Das Kind möchte die Brust haben – Brust weg, Flasche her. Das macht uns zu Krüppeln. Unsere Sensibilität wurde nicht unterstützt. Sie war nicht gefragt. Wir haben sie unterdrücken müssen.

Das ist der Grund, warum wir so wenig spüren können und warum uns echte Gefühle Angst machen. Es ist der Grund für die dauernde Kontrolle, die wir auf uns und andere ausüben müssen.

Yod Udo Kolitscher – Biotiversity Teneriffa und kostenloses Video zu der Biotiversity auf YouTube

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